Universität Osnabrück, FB 3

Katholische Theologie


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Forschungsschwerpunkte Prof. i.R. Dr. Manfred Spieker


1. Die Kirchen in den postkommunistischen Transformationsprozessen
Das von der Volkswagen-Stiftung geförderte und von 1997 bis 2001 durchgeführte Forschungsprojekt widmete sich der Rolle der katholischen Kirche in den postkommunistischen Transformationsprozessen Polens, Litauens, Tschechiens und der Slowakei. Es fragte sowohl nach dem Beitrag der Kirche zu den politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Transformationen im jeweiligen Land als auch nach den Veränderungen in der jeweiligen Kirche nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaftssysteme. Die Ergebnisse des Projekts erschienen im Juni 2003 in den Politik- und Kommunikationswissenschaftlichen Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft im Verlag Schöningh, Paderborn.

Das Projekt knüpfte an das 1995 abgeschlossene Projekt "Die Interdependenz von Strukturreformen und Einstellungswandel in der ehemaligen DDR und in Polen. Der Beitrag der katholischen Soziallehre zu den Transformationsprozessen in Mittel- und Osteuropa" an. Die Dokumentation der Ergebnisse dieses früheren Projekts (M. Spieker, Hrsg., Nach der Wende: Kirche und Gesellschaft in Polen und in Ostdeutschland. Sozialethische Probleme der Transformationsprozesse, Paderborn 1995) erschien Ende 1998 auf polnisch (Po Przelomie. Kosciól i spoleczenstwo w Polsce i Niemczech Wschodnich - Problemy procesów transformacji, Krakau 1998) und wurde am 12.3.1999 in Pressekonferenzen in Warschau (zusammen mit Professor E. Wnuk-Lipinski im Klub der katholischen Intelligenz) und in Krakau (zusammen mit Bischof T. Pieronek in der Päpstlichen Theologischen Akademie) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Konferenzen mit den Mitarbeiterteams des Forschungsprojekts fanden vom 17.-19.12.1997 und vom 13.-16.5.1998 in Osnabrück, vom 27.-31.10.1998 in Prag, vom 15.-20.2.1999 in Osnabrück, vom 24.-30.5.1999 in Krakau und vom 5.-10.10.1999 in Vilnius statt. Im Rahmen der Konferenz in Prag wurde am 30.10. ein Symposion zum Thema "Der Beitrag der Kirchen zur Entstehung der Zivilgesellschaft" mit Kardinal Vlk, Prof. Thomas Halik und Politikern des tschechischen Parlaments durchgeführt, im Rahmen der Konferenz in Krakau am 29.5. ein Symposion zum Thema "Transformationsprozesse in der katholischen Kirche in Polen nach 1989" mit Erzbischof Jozef Zycinski (Lublin), Edmund Wnuk-Lipinski und P. Adam Zak. (Vgl. den Bericht von Michael Ludwig, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19.6.1999). Während der Konferenz in Vilnius wurde ein Symposion zum Thema "Zivilgesellschaft und Subsidiaritätsprinzip in den postkommunistischen Ländern" organisiert. Es referierten u.a. Erzbischof S. Tamkevicius (Kaunas), Kestutis Girnius, Petr Fiala (Brünn) und Arunas Kucikas. Staatspräsident Valdas Adamkus und Parlamentspräsident Vytautas Landsbergis nahmen an der Konferenz teil und sprachen Grußworte. Das Abschlußsymposion des Forschungsprojekts fand vom 25.-29.10.2000 in Osnabrück statt. (Vgl. eigene Homepage)

Internetseite des Projekts: http://www.kath-theologie.uni-osnabrueck.de/lehrende/spieker/projekt

Laufzeit: 1997 - 2002


2. Sozialethische Probleme des Lebensschutzes


Die Ethik des Lebensschutzes wurde durch die Legalisierung von Abtreibung, Euthanasie und embryonaler Stammzellforschung ein eminent sozialethisches Problem. Die assistierte Reproduktion ermöglicht biomedizinische Entwicklungen, die mit der ontologischen Gleichheit der Menschen nicht nur die Symmetrie der Beziehungen, sondern auch die Demokratie selbst gefährden. Benedikt XVI. nennt in seiner Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ (2009) die Entwicklung der Biotechnologie deshalb den „wichtigsten und entscheidenden Bereich der kulturellen Auseinandersetzung zwischen dem Absolutheitsanspruch der Technik und der moralischen Verantwortung des Menschen“(74).

In diesem Forschungsfeld werden zwei Anliegen verfolgt: zum einen soll der Zusammenhang zwischen der Ethik des Lebensschutzes und der Sozialethik deutlich gemacht werden, zum anderen soll in einzelnen Feldern des Lebensschutzes wie Abtreibung, Euthanasie und embryonale Stammzellforschung der Blick für die Gefährdungen des demokratischen Rechtsstaates sowie für die Kriterien des gerechten und guten Handelns und die Gründe kirchlicher Interventionen in die Gesellschaft geschärft werden.

Ausgewählte Publikationen in diesem Feld: Kirche und Abtreibung in Deutschland. Ursachen und Verlauf eines Konflikts, Paderborn 2000, 2.erw. Auflage 2008; Der verleugnete Rechtsstaat. Anmerkungen zur Kultur des Todes in Europa, Paderborn 2005; Sozialethische Fragen des Lebensschutzes, in: Handbuch der katholischen Soziallehre, hrsg. von Anton Rauscher, Berlin 2008, S. 361-380; Biopolitik. Probleme des Lebensschutzes in der Demokratie, Paderborn 2009 (als Herausgeber).


3. Probleme der Wirtschaftsethik und des Sozialstaats

Im Mittelpunkt der Arbeit in diesem Feld stehen die Probleme der Stabilisierung des Sozialstaats, die sowohl der Strukturreformen des sozialstaatlichen Leistungssystems als auch einer Änderung der Einstellungen und Erwartungen bedarf. Für einen 2000 erschienenen Sammelband zur "Philosophie des Sozialstaats" (hsg. von Wolfgang Kersting) wurde ein Beitrag über den Sozialstaat aus der Sicht der christlichen Gesellschaftslehre erarbeitet. (Vgl. Publikationen)

Laufzeit: unbefristet


4. Friedensethik

Die Attentate vom 11. September 2001 in New York und Washington sowie der Irak-Krieg 2003 verliehen der Frage nach dem bellum iustum neue Aktualität. So werden die Arbeiten an einer Ethik der Friedenssicherung bzw. einer Ethik der humanitären Intervention aus früheren Jahren wieder aufgegriffen und weitergeführt. Der Irak-Krieg wurde mit den Kriterien der Bellum-iustum-Lehre konfrontiert. (Vgl. Publikationen)

Laufzeit: unbefristet

Prof. i.R. Dr. Manfred Spieker